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Wirtschaft

20.11.2017 - Artikel

Stand: März 2018

Aktuelle gesamtwirtschaftliche Situation

Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 4.185 USD (2017) zählt Guatemala zu den Ländern mit mittlerem Einkommen ('Middle-Income-Countries'), leidet jedoch unter der ungerechten Einkommensverteilung (59,28% Armut, davon  23,36% extreme Armut). Das Wirtschaftswachstum betrug 2017 2,8%, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag bei 70,5 Mrd. USD.

Guatemala ist die größte Volkswirtschaft Zentralamerikas. Traditionelle Agrarprodukte sind Kaffee, Zuckerrohr, Bananen und Kardamom. Zusätzlich haben in den vergangenen Jahren nichttraditionelle Agrarprodukte wie Gemüse, Früchte und Zierpflanzen sowie der großflächige Anbau von Ölpalmen Bedeutung erlangt. Die Landwirtschaft (Primärbereich) trägt 12,4%, der Sekundärbereich rund 24% und der Tertiärbereich 62% zum BIP bei. Die in den Vereinigten Staaten lebenden rund 2,7 Mio. Guatemalteken überwiesen 2017  mehr als 8 Mrd. USD. Die Überweisungen entsprechen ca. 11% des BIP.

Guatemala leidet unter zu geringen Staatseinnahmen. Das Steueraufkommen liegt bei nur 10,2 % des BIP, einer der niedrigsten Raten der Welt. Nachhaltige Entwicklung ist mit einem derartig geringen Steueraufkommen nicht möglich, zumal Guatemala über keine anderen bedeutenden Staatseinnahmen verfügt. In den vergangenen 20 Jahren scheiterten alle Versuche einer Steuerreform, auch wenn sie weniger auf Steuererhöhungen als auf die Bekämpfung der Steuerhinterziehung, eine Erweiterung der Steuerbasis und effizientere Erhebungsmethoden abzielten. Die 2012 verabschiedete Steuerreform hat nicht den erwarteten Erfolg gebracht und wurde teilweise wieder zurückgenommen. Einen neuen Anlauf hat die personell und organisatorisch reformierte Steuerbehörde SAT unternommen.

Zur Politik aller Regierungen Guatemalas der letzten Jahrzehnte zählte die besondere Förderung des Exports der traditionellen und nichttraditionellen Agrargüter. Dies geht allerdings immer stärker zu Lasten der kleinbäuerlichen Agrarwirtschaft bis hin zur Subsistenzwirtschaft, von der der größte Teil der ländlichen Bevölkerung abhängt.

Bemühungen, Investitionen ins Land zu locken, werden durch die schlechte Sicherheitslage, die defizitäre Infrastruktur und die geringe Größe des guatemaltekischen bzw. zentralamerikanischen Marktes erschwert. Die ausländischen Direktinvestitionen beliefen sich 2016  auf 1,1 Mrd. US $, Juni 2017 auf 579.3 Millionen US $. Guatemala hat großes  wirtschaftliches Potenzial, nicht nur als Produzent hochwertiger Agrargüter, sondern auch im Tourismus oder etwa bei der Produktion von Strom durch Wasserkraft, Bio- und Solarenergie

Außenhandel

Die Exporte Guatemalas betrugen zum August 2017 ca. 7,53 Mrd. USD (2016: 7,08 Mrd. USD). 2017 erreichten die Exporte der traditionellen Agrarprodukte zusammen 28,6 % des gesamten Exportwerts (Zucker 9,1%, Kaffee 8,5%, Bananen 6,8%,Speiseöle und Speisefette 4,2%). Wertmäßig wichtigstes Exportgut sind Textilien mit 12,1% des Gesamtexportwerts, die vorwiegend in Lohnveredelungsbetrieben hergestellt werden. Weitere wichtige Exportprodukte sind Edelsteine und Metalle (5%), Chemikalien (vorwiegend nach Zentralamerika), Nahrungsmittel und besonders Früchte (nach Zentralamerika und in die Industrieländer).

Die wichtigsten Empfängerländer für guatemaltekische Exporte waren 2017 wie in den Vorjahren die USA mit 34,1 % der Gesamtexporte, Zentralamerika mit 27,8 % und Mexiko mit 4,4 %. Gut 8% gingen in die Länder der Eurozone und 2,4% nach Kanada.

Die Importe betrugen 2017 rund 12,0  Mrd. USD (2016: 11,1 Mrd. US $)). Wichtigste Importgüter sind Erdölprodukte, Chemie, Elektronik, Textilien, KfZ und Maschinen. Wichtigste Ursprungsländer sind die USA (40%), Mexiko (10,6%), China (trotz der fehlenden diplomatischen Beziehungen 10,8% mit steigender Tendenz) und die zentralamerikanischen Nachbarländer (11,5%). Aus den Ländern der Eurozone kamen 6,5%;  aus Deutschland 1,6 %.

Seit Sommer 2017 formen Guatemala und Honduras die erste Zollunion Zentralamerikas. 

Es bestehen Freihandelsabkommen (u.a. mit Taiwan seit 2005, USA-Zentralamerika (CAFTA) 2006, Chile 2010 und Peru 2011) Bereits jetzt fallen 80% der Exporte in den Rahmen der geschlossenen Freihandelsabkommen.

Das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Zentralamerika wurde 2012 unterzeichnet. Es trat mit seinem Handelsteil im Dezember 2013 vorläufig in Kraft. Die Währung Quetzal ist stabil und behält seit Jahren ihren Wert von rund 7 - 8 Quetzales pro US-Dollar bei. Die Überweisungen von in den USA lebenden Guatemalteken sorgen weiterhin für eine ausgeglichene Zahlungsbilanz. Die Staatsverschuldung (Schuldenstandsquote) Guatemalas ist im Vergleich sehr niedrig und lag 2017 bei etwas über 25% des BIP.

Umweltpolitik

Guatemala ist ein Land mit bedeutenden Umweltressourcen und erheblichen Möglichkeiten für den Individual- und Ökotourismus. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung liegt jetzt schon bei 65 % und soll bis 2026 auf 78% erhöht werden. Die Wasserkraft hat großes Potenzial, auch Geothermie könnte weiter ausgebaut werden. Allerdings wehrt sich besonders die indigene Bevölkerung gegen Großinvestitionen im Energie- und Bergbausektor. Im Februar 2015 wurde eines der größten Solarkraftwerke Zentralamerikas mit einer Kapazität von 58 Megawatt eingeweiht.

Fehlendes Umweltbewusstsein, schwach ausgeprägte staatliche Autorität und hohes Bevölkerungswachstum, das Migration vom Hochland, insbesondere in den Petén ausgelöst hat, haben dazu geführt, dass in den letzten Jahren immer mehr schützenswerte Flächen für eine nachhaltige Bewirtschaftung verloren gegangen sind. Der tropische Regenwald, der noch vor wenigen Jahren weite Teile Nordguatemalas bedeckte, ist inzwischen vielerorts verschwunden. Eine Reihe von Aufforstungsprogrammen wurde aufgelegt.

Guatemala gehört zu den Ländern, die stark unter dem Klimawandel leiden. Das Phänomen El Niño (unregelmäßig auftauchende warme Meeresströmung) und anhaltende Regen- und Tropenstürme haben in den letzten Jahren immer wieder zu schweren Überschwemmungen, Erdrutschen, Ernteverlusten und Schäden an der Infrastruktur (Straßen, Brücken) geführt. Der sogenannte Trockengürtel leidet seit einiger Zeit unter besonders langen Dürreperioden, die zu großen Ernteausfällen und Hunger in diesen Regionen führen. Das dringend notwendige Wassergesetz liegt weiterhin beim Kongress zur Beratung und Verabschiedung.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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